Nach diesem Bescheid fragte Ich den Obersten, ob es in diesem Ort keine Kranken gebe. Der Oberste sagte: «Freund, wenn Du Dich auch auf die Heilkunst verstehst, dann heile meine Frau. Denn sie leidet bereits seit einem vollen Jahr an einem verborgenen Leiden, das kein Arzt erkennt. Vielleicht wäre es aufgrund der Tiefe Deiner Weisheit möglich, das Übel zu erkennen und meine Frau davon zu befreien?»
Ich sagte: «Ich sage dir: Deine Frau ist gesund. Schicke nach ihr.»
Der Oberste schickte sogleich einen Diener dorthin. Schon an der Schwelle kam ihm die Frau des Obersten ganz heiter und gesund entgegen und begab sich mit ihm sofort zum Obersten. Dieser geriet darüber ausser sich vor Staunen und sagte zu Mir: «Freund, Du bist ein Gott!»
Ich sagte: «So seid ihr Menschen doch alle gleich. Wenn ihr keine Zeichen seht, glaubt ihr nicht. Dennoch seid ihr nun selig, wenn ihr wenigstens wegen der Zeichen glaubt. Sollte aber jemand selbst angesichts der Zeichen, die Ich wirke, nicht glauben, dann ist er dem Tod verfallen.
In Zukunft werden aber nur jene Menschen selig werden, die ohne Zeichen allein der Wahrheit Meines Wortes glauben und danach leben. Diese werden dann erst in sich das wahre lebendige Zeichen finden, das ewiges Leben heisst, und niemand wird es ihnen mehr nehmen können.
Du freust dich nun darüber, dass Ich deine Frau allein durch den Willen Meines Herzens gesund gemacht habe, und fragst dich unaufhörlich: Wie ist das möglich? Ich aber sage dir: Wenn ein Mensch nach der inneren reinen Wahrheit lebte, selbst in diese Wahrheit gelangte und nicht mehr an ihr zweifelte, könnte er zu einem der Berge, die diese Gegend umgeben, sagen: Erhebe dich und stürze ins Meer. Und der Berg würde sich erheben und ins Meer fallen.
Weil aber eine solche Wahrheit weder in dir noch in sehr vielen anderen wohnt, könnt ihr nicht nur keine solchen Taten vollbringen, sondern müsst euch überdies masslos wundern, wenn Ich, der Ich diese Wahrheit in aller Fülle in Mir trage, vor euren Augen Taten vollbringe, die allein durch die Macht der innersten lebendigen Wahrheit möglich sind.
Erst in einer solchen Wahrheit wird der Glaube, der im Menschen die rechte Hand des Geistes ist, lebendig und tatkräftig. Der Arm des Geistes reicht weit und vollbringt grosse Dinge.
Wenn ihr durch eine solche Wahrheit die Arme eures Geistes in euch hinreichend gestärkt habt, werdet ihr tun, was Ich nun vor euch getan habe. Zugleich werdet ihr ganz klar erkennen, dass dies noch um vieles leichter möglich ist, als mit den Händen des Leibes einen Stein vom Boden aufzuheben und ihn mehrere Schritte weit zu schleudern.
Lebt deshalb nach Meiner Lehre. Seid Täter und nicht nur müssige Hörer und Bewunderer Meiner Worte, Lehren und Taten. Dann werdet auch ihr in euch selbst das erlangen, was ihr nun an Mir so sehr bewundert.
Ich zeige euch dies jedoch nicht aus Mir selbst, sondern aus Dem, der Mich dies vor dem Bestehen der Welt gelehrt hat. Er ist es, von Dem ihr sagt, dass Er euer Vater sei, obwohl ihr Ihn nicht kennt und noch nie erkannt habt. Derjenige, von Dem ihr sagt, Er sei euer Vater, ist es, von Dem alle Dinge stammen: die Engel, Sonne, Mond und Sterne sowie diese Erde mit allem, was in ihr und auf ihr ist.
Wie dieser Vater Mich vor dem Bestehen der ganzen Welt gelehrt hat, so lehre nun auch Ich euch. Dadurch soll der Vater, der jetzt in Mir lebt, auch in euch Wohnung nehmen und in euch wie in Mir die ur-ewige reine Wahrheit aus dem ewigen Urfundament hervorbringen. Dieses Urfundament heisst und ist die Liebe in Gott, die wiederum das eigentliche Wesen Gottes selbst ist.
Lasst euch deshalb nicht so sehr von den Zeichen hinreissen, die Ich vor euren Augen wirke, damit ihr nicht in einen toten, gerichteten Glauben geratet, der keinen Nutzen hat. Lebt und handelt vielmehr nach dem, was Ich euch lehre. Dann werdet ihr in euch selbst das erlangen, worüber ihr euch nun an Mir über alle Massen wundert; denn ihr seid alle dazu berufen, ebenso vollkommen zu sein, wie der Vater im Himmel selbst vollkommen ist. Nun wisst ihr alles. Handelt danach, und ihr werdet in euch wahrnehmen, ob Ich euch die Wahrheit gesagt habe oder nicht. Prüft deshalb Meine Lehre durch die Tat, und zwar mit allem Eifer und fern von jeder Lauheit. Erst dadurch werdet ihr erfahren, ob diese Lehre von einem Menschen oder von Gott stammt.»
Nach dieser wichtigen Belehrung sagte der Oberste: «Nun beginnt es in mir zu dämmern. In all dem liegt zwar eine unermesslich tiefe Weisheit, die für uns ganz gewöhnliche Menschen im ersten Augenblick schwer zu erfassen ist. Doch darauf kommt es nicht allzu sehr an. Wenn man erst durch das Handeln danach zur rechten Einsicht gelangen kann, werde ich alles weitere Grübeln lassen. Sobald Jonael mich in die ganze Lehre eingeführt hat, werde ich mich unverzüglich mit vollem Ernst auf das Handeln verlegen. Bei diesem Vorsatz soll es bleiben.»
Ich sagte: «Gut so, Mein Freund. Wenn du aber auf diese Weise zum Licht gelangst, dann lass dieses dein Licht auch deinen Brüdern leuchten. Damit wirst du dir einen Lohn im Himmel bereiten. Nun begeben wir uns nach Sichar, denn Ich habe dort noch einiges zu vollbringen. Gehen wir also weiter.»