Nun kam die Wirtin mit ihrem neuen Gemahl, begrüsste Mich überaus herzlich und fragte Mich und auch alle anderen Gäste, ob wir das Morgenmahl einnehmen wollten, da es bereits vollständig zubereitet sei.
Ich sagte: «Liebe Irhael, warte noch ein wenig. Die Jünger werden sogleich mehrere Gäste heraufbringen. Auch sie sollen am Frühstück teilnehmen und zugleich aus Meinem Mund erfahren, dass ihr beide ein rechtmässiges Ehepaar geworden seid. Sie sollen auch sehen, dass euer Haus nicht zu den geringsten gehört, sondern nun äusserlich und innerlich in jeder Hinsicht ein vollkommen erstklassiges Haus dieser Stadt ist und Ich deshalb in diesem Haus Herberge genommen habe.»
Als Ich dies zu dem Ehepaar sagte, öffneten Petrus und Mein Johannes schon die Tür. Zwischen ihnen trat Matthäus herein, verneigte sich tief und sagte: «Herr, ich bin vollkommen bereit, Dir allein zu dienen. Ich habe hier zwar ein Schreiberamt, von dem ich leben und meine kleine Familie ernähren kann; wenn Du mich aber brauchst, o Herr, gebe ich mein Amt augenblicklich auf, und Du wirst meine kleine Familie nicht zugrunde gehen lassen.»
Ich sagte: «Wer Mir nachfolgt, soll sich um nichts sorgen, ausser darum, zeitlich und ewig bei Mir zu bleiben. Sieh aber dieses Haus und seine beiden Besitzer an. Sie werden deine Familie in Meinem Namen aufnehmen und bestens versorgen, ebenso auch dich, wann immer du am Tag oder in der Nacht hierherkommst.»
Matthäus kannte das Haus noch von früher, als es eher eine Ruine als ein Haus gewesen war. Er konnte sich nicht genug wundern und sagte: «Herr, hier muss ein grosses Wunder geschehen sein! Denn dieses Haus war eine Ruine, und nun ist es ein Palast, wie es in Jerusalem wohl nur wenige seinesgleichen gibt. Und diese wahrhaft königliche Einrichtung! Das muss unendlich viel gekostet haben.»
Ich sagte: «Halte dir nur fest und klar vor Augen, dass bei Gott viele Dinge möglich sind, die den Menschen unmöglich erscheinen. Dann wirst du leicht begreifen, wie diese frühere Ruine in einen Palast verwandelt werden konnte. Hast du genügend Schreibmaterial?»
Matthäus sagte: «Für zwei Tage bin ich versorgt. Wenn ich mehr haben soll, werde ich es mir sogleich beschaffen.»
Ich sagte: «Es genügt für zehn Tage; danach werden wir das Material schon anderweitig beschaffen. Bleibe jetzt hier und nimm mit Uns das Frühstück ein. Nach sechs Uhr werden wir uns auf den Berg begeben. Dort werde Ich diesen Völkern das Heil verkünden. Du aber sollst alles, was Ich sage, Mir vom Mund weg in drei Kapiteln aufschreiben und diese nach der Art Davids in kleine Verse unterteilen. Suche dir noch einige andere Schreiber, die deine Niederschrift abschreiben sollen, damit auch diesem Ort ein geschriebenes Zeugnis verbleibt.»
Matthäus sagte: «Herr, Dein Wille soll aufs Genaueste befolgt werden.»
Nach diesem nötigen Gespräch mit Matthäus traten die anderen Jünger ein. Ihnen folgten die Priester und die übrigen angesehenen Bürger dieser Stadt, die Mich in tiefster Zerknirschung begrüssten. Der erste Priester trat etwas vor und sagte: «Herr, Du hast Dir dieses Haus gut zubereitet, damit es würdig ist, Dich zu beherbergen. Salomo baute den Tempel mit grosser Pracht, damit er würdig wäre, Jehova als Wohnstätte unter den Menschen zu dienen. Die Menschen haben diese Wohnstätte jedoch durch ihre vielen himmelschreienden Laster entheiligt. Deshalb verliess Jehova den Tempel und die Lade und kam zu uns auf den Berg. Ebenso warst Du, o Herr, zuerst in Jerusalem, fandest wenig Aufnahme und kamst daher zu uns, Deinen altechten Verehrern. So wird nun geschehen, wie geschrieben steht:
‹In der letzten Zeit wird der Berg, auf dem das Haus des Herrn steht, gewiss höher sein als alle Berge und über alle Hügel erhoben werden, und alle Heiden werden dorthin strömen. Auch viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Haus des Gottes Jakobs, damit Er uns Seine Wege lehrt und wir auf Seinen Pfaden wandeln. Dennoch wird von Zion Sein Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.› (Jesaja 2,2–3)
Wir alle aber sind überaus froh, wie eine Braut aus Jerusalem, wenn ihr Bräutigam kommt und ihr zum ersten Mal sein Herz, seine Hand und seinen Gruss anbietet. Denn wahrlich, Herr, Jerusalem, die erwählte Stadt des grossen Königs, ist so schlecht geworden, dass man darauf urinieren und sie auspfeifen möchte, und sie ist Deiner nicht wert. Auch wir halten uns nicht gerade für würdig; denn was gehört dazu, vor Gott als würdig befunden zu werden? Doch eines ist gewiss: Wenn der Herr nun nur zwischen zwei Übeln zu wählen hat, wird Er uns als das offensichtlich kleinere wählen. Das erfüllt sich nun auf wunderbare Weise vor unseren Augen. Du bist es, Den wir so lange erwartet haben; darum Hosianna Dir, Der Du im Namen des Herrn zu uns kommst!»
Ich sagte zu dem Redner: «Ja, du hast nun völlig richtig gesprochen. Ich sage euch aber auch: Erst wenn ihr Meine Lehre vernommen habt, werdet ihr wahrhaft an dem Heil teilhaben, das Ich euch heute von der Höhe des Berges verkünden werde. Auch wenn die Gnade frei von oben zu euch kommt, genügt dies dennoch nicht; denn sie bleibt nicht, wenn sie nicht mit grösster Tatkraft ergriffen wird. Es ist wie bei einem Menschen, der hungrig unter einem fruchtreichen Baum steht: Der Wind schüttelt ihn, und reife Feigen fallen herab; wenn er sie aber nicht aufhebt und isst, werden sie ihn dann sättigen?
Nicht das Hören allein, sondern erst das Handeln nach Meiner Lehre wird euch an dem Heil teilhaben lassen, das aus Jerusalem zu euch gekommen ist. Hast du das verstanden?»
Der Redner sagte: «Ja, Herr, denn so wie Du kann nur Gott sprechen.»
«Nun gut», sagte Ich darauf, «da du dies verstanden hast, lasst uns das Frühstück einnehmen. Nach dem Mahl aber zeichne dir auf, dass Ich Irhael gestern in der Nacht mit dem Arzt Joram ehelich verbunden und gesegnet habe und sich künftig niemand mehr an ihnen ärgern soll. Nun setzt euch zum Frühstück. So sei es!»
Nun setzten sich alle — und es waren viele — zum Frühstück, das aus bester Milch und Honigbrot bestand.