“Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.
Du bist Mein!“
Rausch, Gewalt und Exzess
Mein früheres Leben war bestimmt von täglichen Alkoholgelagen, brachialer Musik und selbstzerstörerischer Sexualität. Als Punk stach ich mir Nadeln durch Ohren und Wangen und lief in zerrissenen Klamotten durch die Straßen Münchens. Die Hauptbeschäftigung unserer Clique bestand darin, sich regelmäßig zu betrinken und in Parks herumlungernd die Zeit totzuschlagen. Wegen ständigen Geldmangels klauten wir uns Schnaps, Zigaretten und was man sonst noch so brauchen kann. Um in Rockkonzerte zu gelangen, stürmten wir im Pulk durch die Halleneingänge und rannten alles nieder, um schließlich im Getümmel der Massen unterzutauchen. Wegen diverser Delikte wie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Körperverletzung war die Polizei unser ständiger Begleiter.
In der Straßengang ging es nicht gerade zimperlich zu. Rache war oberstes Gebot, weshalb es immer wieder zu heftigen Schlägereien mit konkurrierenden Banden kam. Manchmal wurde beschlossen, dass nicht alle Kontrahenten aufeinander losgingen, sondern ein Zweikampf Mann gegen Mann Streitigkeiten oder Revieransprüche entschied. So wurde verhindert, dass sich eine Horde Irrsinniger gegenseitig verprügelte. Bei so einem Kampf schlug ich einmal meinen Gegner brutal zusammen, und als er bereits blutend und halb bewusstlos am Boden lag, hämmerte ich weiter mit Fäusten auf ihn ein. Hätte mich die Meute nicht weggezogen, wer weiß, was ich in meiner blinden Aggression angerichtet hätte. Aber auch ich bekam des Öfteren mein Fett ab. Unter den Banden galt das ungeschriebene Gesetz, im Kampf keine Messer zu gebrauchen. Schlagwaffen waren jedoch damals `groß in Mode´. Einmal zog mir jemand unvermutet eins mit einem Baseballschläger über. Die Wirkung war enorm, ich war absolut kampfunfähig. So schlug das Echo meines unsinnigen Verhaltens hin und wieder gewaltig zu. Doch man prahlte auch gerne mit den eigenen Verletzungen und nicht nur mit denen, die man dem Gegner zugefügt hatte.
Nahezu täglich torkelte ich volltrunken von den Kneipenzügen nach Hause. Zusätzlich benebelt von Haschisch legte ich mich einmal in völliger Orientierungslosigkeit auf die Gleise der Tram, nicht mehr in der Lage aufzustehen. Gott sei Dank waren hilfreiche Hände zur Stelle, die mich wegzogen, denn die Bahn nahte schon.
Dies sind nur ein paar Beispiele meiner damaligen geistesgestörten Lebensweise; im Grunde war ich jahrelang in einem Zustand berauschter Unzurechnungsfähigkeit.
In der Schule war ich stets ein Außenseiter. Wegen mangelnden Interesses konnte ich mich nur schwer konzentrieren, verstand die einfachsten Vorgänge und Zusammenhänge nicht und konnte mir nichts merken. Die schlechten Noten belasteten mich sehr, denn ich spürte, dass ich eigentlich nicht dumm bin. Schließlich fielen meine Leistungen so sehr ins Bodenlose, dass ich von der Schule verwiesen wurde. Nach einigen alkoholgetränkten Monaten begann ich eine Lehre als Koch, die ich trotz meines labilen Zustandes mit Gesellenbrief abschloss.
Bei den nächtlichen Kneipenzügen lernte ich meine damalige Frau kennen. Sie war Bedienung in einer Bar und offen für alles. Unsere Ehe führte in einen nahezu unablässigen Exzess im Dschungel von Alkohol, Drogen und Sadomasochismus. Meine damals noch verborgenen übersinnlichen Empfindungen hatten mit Beginn der Pubertät dazu geführt, dass ich den Freiheitsentzug der Seele durch die Inkarnation in den Leib sowie ihre geistige Unbeweglichkeit aufgrund meiner Gottverlorenheit in körperlicher Gebundenheit ausleben musste. Nur im Bondage und entsprechender Behandlung konnte ich mich eindringlich spüren und sexuelle Befriedigung erlangen. Immer tiefer verirrte ich mich im Labyrinth perverser Süchte und Begierden und verlor mich zuletzt gänzlich darin.
In jenen Jahren kam ich in Kontakt mit ausdrucksstarker Lyrik, die mich ganz und gar in ihren Bann zog. Sie tauchte meine gespaltene Persönlichkeit für Augenblicke in das heilsame Feuer der Sehnsucht nach einer besseren Welt und nach einer Liebe, die Herzen heilen konnte und nicht zerstörte. Einem inneren Impuls folgend begann ich Gedichte zu schreiben. Die Schreie meiner Seele manifestierten sich wie von selbst auf dem Papier und verliehen meinem selbstzerstörerischen Treiben literarischen Ausdruck. Vor allem gaben sich dämonische Gedanken kund, die Gott verhöhnten und mich in den Selbstmord treiben wollten.
Während diesem von dunklen Mächten getriebenem Schaffen begann ich erstmals meine Hellsichtigkeit zu erahnen. In die durch das Schreiben hervorgerufene Bewusstseinsöffnung drängten sich nun auch lichte Botschaften. Wesen hellerer Sphären meldeten sich zu Wort – ihre Mitteilungen bewirkten ein leises, verstecktes Erwachen.
Die Seele erwacht
Bereits als Dreizehnjähriger hatte ich zu rauchen begonnen. Diese Sucht steigerte sich durch meine Haltlosigkeit schließlich ins Extreme, so dass ich täglich bis zu 50 Zigaretten konsumierte. Sogar wenn ich nachts aufwachte, zündete ich mir eine an, um anschließend in einer Rauchwolke wieder einzudösen. Der Tagesablauf war, neben der sich bereits in jungen Jahren abzeichnenden Alkohol-Abhängigkeit, somit stark beeinträchtigt und mitbestimmt von meiner Zigarettensucht.
Eines feuchtfröhlichen Abends, als ich eine Schachtel aus dem Automaten ziehen wollte, hatte ich plötzlich eine seltsame Empfindung in der Stirn. Es fühlte sich an, wie wenn sich etwas direkt auf das Gehirn legte. Aufgrund dieser Berührung konnte ich die Münzen nicht einwerfen. Verblüfft stand ich da, mich fragend, was jetzt los sei. Wieder hob ich den Arm, doch kurz vor dem Münzschlitz stoppte der Druck im Kopf meine Hand. Verwundert ging ich zum Tresen, um es nach einer gefühlten Raucherewigkeit von ein paar Minuten erneut zu versuchen. Leider gab es das gleiche Problem wie zuvor.
Hatte mich jemand hypnotisiert? Bevor ich betrunken mit dem Auto nach Hause fuhr, musste ich Zigaretten kaufen! Eine Stunde ohne war eine Horrorvorstellung, geschweige denn eine ganze Nacht! Ich wagte einen letzten Versuch und scheiterte kläglich. Daraufhin machte ich mich, teils erstaunt, teils beleidigt (aber wem konnte ich beleidigt sein?) auf den Heimweg … und rauchte ab dem nächsten Tag nicht mehr.
Etwas Unglaubliches war geschehen: Dieser charakterliche Schwächling, der an jeder Kippe saugte wie ein Säugling an der Mutterbrust, hatte unvermittelt eine seiner elementarsten Lebensgrundlagen aufgegeben. Aber es sollte noch besser kommen: Wein, Bier und Schnaps waren meine Hauptnahrung, und erst ab einer leichten Dröhnung, die mir half, mich regelmäßig bis zum Anschlag abzufüllen, hatte mein Dasein einen Sinn. Doch seit der Berührung im Kopf an jenem Abend hatte ich kein Bedürfnis mehr, Alkohol zu trinken. Also beendete ich von heute auf morgen meine Trinkerkarriere. Seltsamerweise machte mir das alles nichts aus, ich hatte weder Entzugs-Erscheinungen, noch trauerte ich den ehemaligen Begierden nach.
Schon immer hatte ich mich für Übersinnliches begeistern können und verstärkt las ich jetzt entsprechende Literatur. Das sich steigernde Interesse an mystischer und spiritueller Nahrung ersetzte mehr und mehr auch andere selbstzerstörerische Gewohnheiten. Aber nicht alle. Denn nach wie vor war ich gefangen in den Fesseln des S/M und einer damit verknüpften unbändigen Triebhaftigkeit – aus diesem Gefängnis es scheinbar kein Entrinnen gab.
Fast unmerklich, aber immer drängender überkam mich indessen eine bis ins Innerste erschütternde Vorahnung, die in eine Art Schockstarre mündete: Ich erkannte, dass mein Leben in sexuelle Enthaltsamkeit führen musste – und würde. Das war eigentlich undenkbar, denn meine ausgeprägte Suchtveranlagung hatte sich gerade hier am stärksten manifestiert, die Befriedigung meiner perversen Sexualität war seit Pubertätsbeginn wichtiger als alles andere im Leben. Und doch war diese Erkenntnis eindeutig.
Trotz aller inneren Widerstände ergab ich mich aktiv meinem Schicksal und beschloss, die körperliche Verfallenheit immer öfters zu ignorieren. Um mich dauerhaft von den visuellen Anfechtungen zu trennen, zerschnitt ich die Bänder meiner S/M-Videokasetten-Sammlung und warf sie in die Mülltonne. Um den Körper abzuhärten und ihm jede Art von Komfort zu nehmen, schlief ich auf dem nackten Fußboden. Mein unbändiger Hang zum Extremen veranlasste mich, diese Entwicklung fortan zu vertiefen, täglich zu meditieren und enthaltsam zu leben.
Nun war ich also äußerlich und auch ein wenig in mir ein anderer Mensch. Bisweilen kamen mir die Veränderungen recht seltsam und unwirklich vor, doch war mein Erleben realer als im ständigen Rauschzustand zuvor. Warum ließ ich all dies geschehen? Ich spürte intuitiv, dass es so sein sollte, es fühlte sich richtig an – alles in mir drängte in ein neues Leben.
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, mich vom Thron zu stoßen. Die Liebe, die ich all die Jahre in den tiefsten Schmutz gezogen hatte, öffnete sich und wurde zur Quelle eines Schmerzes, der alles in mir verbrannte, was der Dunkelheit angehörig war. Die folgenden Ereignisse ließen die bisherige Entwicklung des Entsagens wie ein laues Lüftchen gegen einen Orkan erscheinen:
Nachdem die Ehe in die Brüche gegangen war, war mein Herz im Trennungsschmerz erschüttert. Die folgenden Monate fand ich Trost in kurzen Bekanntschaften, bis ich mich schließlich neu verliebte. Die Seele dieser Frau war voller Anmut und das Licht ihres Herzens leuchtete durch ihre wunderschönen Augen. Trotz ihrer jungen Jahre strahlte sie Weisheit und Gelassenheit aus, ihre unvoreingenommene Liebe war Balsam für meinen zerrütteten Zustand. Die gemeinsame Zeit war sehr intensiv, der Drang nach abartiger Sexualität verlor in den Flammen dieser neugewonnenen Liebe vorübergehend seine Macht. Doch als ich von einer USA-Reise zurückgekehrt war, war meine Freundin zunächst nicht mehr erreichbar, und schließlich erfuhr ich, dass sie wieder mit ihrem früheren Partner zusammen war.
Der damit verbundene Liebesschmerz brach unvermittelt und unbarmherzig über mich herein und isolierte mich gnadenlos von aller Welt. Nichts war mehr Halt, nichts Befriedigung, nichts Freude. Nirgends konnte ich mich noch spüren und reflektieren. Ich war tot in einem funktionierenden Körper, ein schrecklicher Zustand der Einsamkeit und Verlorenheit, der sich über viele Monate hinzog.
Da sprach ich in meiner ausweglosen Verzweiflung: “Lieber Gott, wenn es Dich tatsächlich gibt, zeige Dich! Aber ich will Dich erkennen, wie Du wirklich bist. Nicht, was die Menschen aus Dir gemacht haben will ich sehen, sondern Dich in Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wenn das nicht geht, dann lassen wir das.“
Und er zeigte sich. Eines Abends gipfelte die Liebesqual in eine Vibration und ein Erbrennen meines Oberkörpers. Erst nahm ich einen Riss in der Seelenbrust wahr, plötzlich öffnete sie sich weit und ein Schwall lichter Energie ergoss sich aus meinem Innersten und strömte und strömte und erfasste mein ganzes Sein, so dass ich mich förmlich auflöste in göttlicher Liebe. So betrat Gott mein Grab, um mich von den Toten zu erwecken und auf dem schmalen Pfad in sein Herz zu begleiten.
In dem im ersten Erwachen ausgelösten Hunger nach geistiger Nahrung verschlang ich alles an spirituellem Gedankengut, was greifbar war. Das Spektrum reichte von der Bibel, dem Koran, der Bhagavad Gita, den Schriften Buddhas, Lao Tses und Konfuzius, den Büchern der Mystiker des Sufismus, den Biographien indischer Yogis, den Erläuterungen erleuchteter Meister, den Offenbarungen neuzeitlicher Propheten, bis hin zu den Ausführungen medialer Botschafter kosmischer und jenseitiger Spiritualität, die man mühelos im Dschungel esoterischer Literatur finden kann. Ich war zu Gast in buddhistischen Zentren, wohnte Darshans und Vorträgen mehr oder weniger erleuchteter Redner bei, belegte Heiler-Seminare, besuchte Bibelkreise und Gottesdienste freichristlicher Gemeinden. Gott hatte mich angerührt und erweckt; doch noch fehlte meinem Erwachen die bedingungslose Liebe zu ihm und die darin enthaltene Geborgenheit, weshalb der Verstand nach Halt im Äußeren verlangte.
Mittels allerlei meditativer Techniken suchte ich Ruhe und Frieden zu finden, aber frei von lärmenden Gedanken und Sorgen wurde ich nie so recht. Licht und Liebe flossen nur spärlich, so wurde der Hunger des Herzens nicht wirklich gestillt. Erst als ich mich Jesus Christus inniger zuwandte und all meine Sehnsucht bei ihm zu erfüllen trachtete, nahm ich göttliche Fürsorge und Barmherzigkeit bewusst wahr. Dadurch wurde das geistige Fundament fester und bot bald sicheren Halt. Das Seelenhaus wurde entrümpelt von den verschiedenen (Irr-)Lehren, die keine klare Sicht auf die Wahrheit zuließen. Bisweilen durfte ich jetzt Gottes Gegenwart und Zuneigung genießen. Doch in Abgeschiedenheit und ohne große Widerstände sich in der geistigen Einstrahlung zu sonnen, darin liegt eine verborgene Gefahr, da in seelischer Zurückgezogenheit der anfängliche Glaube allzu leicht in Schwärmerei und Lebensuntüchtigkeit abdriftet.
Das ist darin begründet, dass das weltlich geprägte Bewusstsein bei der Erweckung mit dem Gottesgeist unstimmig ist. Die in und aus den verborgenen Winkeln der Seele waltende Eigenliebe erlaubt keine anhaltende Hingabe an die göttliche Lebensweise. Für Nachhaltigkeit braucht es Gegenkräfte und Hindernisse. Im ernsthaften Ringen um und für die Liebe im Umgang mit den Mitmenschen in den Herausforderungen des Alltags sowie in der täglichen Selbstüberwindung der angeborenen und anerzogenen Fehler und Schwächen erfolgt die Integration der Gottesgaben, die latent in der Seele lagern. Erst hier und jetzt erweist sich in der Tat der wahre Glaube, darin der irdische und geistige Aspekt menschlicher Existenz stetig näher zusammenrücken, um schließlich eine harmonische Einheit zu bilden.
Erwachende denken sich gleich am Ziel, denn sie sehen noch nicht die vielen verborgenen Gebrechen und Krankheiten ihres Herzens. Oftmals braucht es Jahre und Jahrzehnte für seelische Operationen und die anschließenden Genesungszeiten. So folgte auch bei mir eine Zeit der Wandlung.
Dazu öffneten sich notwendigerweise immer wieder die gut getarnten Abgründe der Seele, wobei die früheren Süchte und Leidenschaften aufflammten und mich in selbstzerstörerischen Brand setzten. Phasen der Zerrissenheit, in denen ich Gott verleugnete und zurückfiel in alte Verhaltensweisen, dauerten oft Wochen und Monate. Denn solange sich Hochmut und Sturheit die Hand geben, erbaut man sich ständig neue Hindernisse, die der himmlische Vater bereits aus dem Weg geräumt hat und die man nun augenscheinlich selbst bezwingen muss. So habe ich in einer Glaubenskrise wieder zu rauchen begonnen und es erforderte mühsame Kämpfe, bis ich dieses Laster erneut überwinden konnte.
Selbst als mein Geistesauge bereits geöffnet war, hatte ich noch die Ignoranz und Arroganz, nicht meiner Bestimmung zu folgen, sondern vor allem körperliche Begierden zu befriedigen und meine wahre Identität zu verleugnen. Auch habe ich nicht immer fest und unerschütterlich geglaubt, dass Gott ein von ihm angerührtes Kind nicht mehr loslässt und ihm in allen Erwachens-Kämpfen beisteht. Doch da er mich immer wieder mit seiner Gegenwart erfüllte und die Fürsorge seiner väterlichen Liebe spüren ließ, gewann ich zunehmend Vertrauen und bemühte mich ernsthaft, weitere hindernde Verhaltensweisen loszulassen, um seinem Ruf folgen zu können. Ja, erst der Blick in sein Herz setzte die dringend gebotene Heilung in Gang.
Nun war auch mein künstlerisches Schaffen begleitet von guten Geistern und es kamen von Licht und Liebe erfüllte Worte zum Vorschein. Dies Schreiben führte mich in bislang ungeahnte Bewusstseinsbereiche und schenkte mir eine völlig neue Einsicht und Wahrnehmung geistiger Verhältnisse. Nie wusste ich zuvor, was sich durch den Stift in meiner Hand kundgeben würde und war jedes Mal voller Erstaunen über das ins Sprachgewand eingeborene Kind aus dem Licht. So ist es auch heute noch, doch sind es keine interpretierbaren Gedichte mehr, sondern klare Botschaften aus der jenseitigen Welt.
Um was ich vor Jahren in Trübsal und Verzweiflung gebeten hatte, wurde trotz aller Widerstände Wirklichkeit. Gott hat mein Leben, das gänzlich aus dem Ruder lief, wieder in die Spur gebracht. Er gab mir meine wahre Identität zurück, er gab sich mir zurück. Eine lange Reise liegt hinter mir. Endlich angekommen, entfaltet sich meine göttliche Bestimmung. Ich werde zu dem, der ich bin.
Vor einigen Jahren begann ich zu laufen. Als Marathonläufer kommt man immer wieder in Situationen, in denen man eigentlich nicht mehr weiter kann. Der Körper schmerzt, er gibt eindeutige Signale anzuhalten. Man läuft allein mit Willenskraft, setzt sich über den Schmerz hinweg. Nicht aufgeben ist oberstes Gebot – es gibt ja ein Ziel, man läuft nicht umsonst. Positiv motiviert wächst man über sich hinaus; man vollbringt Leistungen, die in Resignation oder mit negativer Einstellung niemals möglich wären.
Manchmal orientiert man sich an den anderen Läufern und lässt sich ein Stück mitziehen; in der Gruppe läuft sich´s leichter, doch kämpfen muss jeder für sich allein. Mit der Dauer des Laufs kommt einem das Ziel stets näher – und teilt man sich das Rennen gut ein, bleibt man im Gleichgewicht von verbrauchter und verbleibender Energie. Zum Abschluss mobilisiert man noch einmal alle Kräfte und sprintet ins Ziel. Ausgelaugt ringt man nach Atem, doch die Freude in der Gewissheit des Erfolges überlagert die Erschöpfung. Es bereitet einem ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit, seinen Körper besiegt, seine Schwächen überwunden und sein Vorhaben erfüllt zu haben.
Der geistige Pfad entspricht vollends einem Marathonlauf: Der Flow, wenn ´s wie von selbst läuft, der tote Punkt, an dem man nicht weiß, ob und wie ´s weitergehen soll, Schwäche und quälende Not, überwältigende Glücksgefühle und Euphorie, die Gruppendynamik – alle Höhen und Tiefen eines Laufs sind Attribute des Glaubensweges. Der Zieleinlauf entspricht dem Ankommen in der himmlischen Heimat. Alle, die sich ernsthaft und zielgerichtet auf den Weg machen, erreichen einmal diesen Ort der Bestimmung, gleich ob schnell oder langsam, jung oder alt, frisch oder erschöpft, früher oder später. Sämtliche Teilnehmer werden vom Vater und den bereits eingetroffenen Gotteskindern freudig erwartet.
Doch man muss sich erkundigen, wo der richtige Lauf stattfindet (die Wahrheit bei Jesus Christus suchen), sich anmelden (um göttliche Gnade und Führung bitten), an den Start gehen (durch Aufrichtigkeit und Hingabe Gott die nötige Ernsthaftigkeit offenlegen) und, wenn der Startschuss erfolgt, loslaufen.
In meinem neu erlernten Beruf pflege und betreue ich schwerbehinderte Menschen. Ein Mann, den ich sehr lieb gewonnen habe, hat seit seinem sechsten Lebensjahr Kinderlähmung. Er ist nahezu vollständig bewegungsunfähig und wird maschinell beatmet. Obwohl ihm eine geringe Lebenserwartung von höchstens 30 Jahren vorausgesagt war, ist er dank seines Glaubens und der daraus resultierenden lebensbejahenden Einstellung inzwischen Mitte 60 und führt ein zufriedenes und dankbares Dasein.
Die pflegerische Tätigkeit lehrt mich Demut, Hingabe und Geduld, wodurch der im Herzen verborgene Gottesgeist Möglichkeit zur Entfaltung bekommt. Während der Ausübung werde ich zumeist von Engeln begleitet und liebevoll unterstützt. Auch Sternenseelen, die sich auf eine Erden-Inkarnation vorbereiten, sind bisweilen geistig gegenwärtig und sehen diesem Dienst am Nächsten interessiert zu. Stets überkommt mich große Freude in der Gemeinschaft der Geister, mit denen ich herzlich kommuniziere.
Die Körperbehinderungen der Personen, denen ich zu Diensten bin, zeigen mir meine seelische Verfassung. Denn trotz der Öffnung und beginnenden Entfaltung gottgegebener Talente und des damit verbundenen fortschreitenden Erwachens ist meine Seele immer noch gelähmt. Sinnbildlich sitzt sie im Rollstuhl oder liegt auf dem Krankenbett und wird von ihren jenseitigen Pflegern in die verschiedensten geistigen Bereiche geschoben. Tag und Nacht wird sie mit Liebe beatmet, mit himmlischer Nahrung gefüttert, mit göttlichem Licht gewaschen und gereinigt – und ist so rundum bestens versorgt.
Mein Glaube ist noch nicht stark genug, dass Jesu Worte “Steh auf und wandle!“ ihre Kraft der Heilung entfalten können. Doch wird dieser Tag kommen und ich werde völlig gesund aus dem Krankenlager erstehen und die Bestimmung erfüllen, für die ich vorgedacht war vor unnennbaren Zeiten im Schoße der Gottheit.
In die Geheimnisse des Lebens eingeführt zu werden und den wahren Sinn seines Daseins zu erkennen beinhaltet große Verantwortung. Die Tragweite dieser Einweihung wird einem im geistigen Fortschreiten stets mehr bewusst. Allein an des himmlischen Vaters Seite kann die Seele den nun verstärkt auftretenden Gegenkräften standhalten, um sich beständig der göttlichen Liebe anheimzugeben.
Ein Erweckungsgeschenk war und ist die Schau in meine geistwesenhafte Identität. Vor Ewigkeiten wurde ich im Hinblick auf die Zeit der Wandlung erschaffen, um hier und jetzt Gott zu dienen. Vor dem `Abstieg´ in die Welt der Vergänglichkeit wurde mir noch einmal vor Augen geführt, welchen Gefahren man auf dieser Erde ausgesetzt ist. Der Vater zeigte mir die Möglichkeit des Verlorengehens durch die Verfallenheit an das materielle Wohlleben mit all seinen Lustbarkeiten und scheinbaren Sicherheiten. Ich sah und sehe, dass uns die Materie anzieht wie ein Magnet, die Liebe zu ihr uns bindet und selbst über den Tod hinaus nicht freigibt durch die mit der Seele fest verwobenen irdischen Begierden und Leidenschaften. Und ich sah und sehe, dass die Liebe zu Gott der einzige Weg zurück in die Freiheit des Geistes ist.
Ich erinnere mich, dass ich unbedingt gehen wollte, um in dieser Zeit der Wandlung einen göttlichen Auftrag zu erfüllen, und dass ich um der Liebe willen gerne alles ertragen wollte, was mir auf Erden an Ungemach begegnet. Ich erinnere mich an die Zuversicht ob des Gelingens, erinnere mich an die Bereitschaft, allzeit für die Liebe zu leben und zu sterben. Und erinnere mich an den innigen Abschied von den Geschwistern – und Jesu Umarmung.
Doch nicht nur die vorgeburtliche Existenz ist gegenwärtig. Die kommenden Aufgaben klar vor Augen, sehe und gehe ich an des himmlischen Vaters Seite vertrauensvoll in die Zukunft. Sich bei und in ihm ganz und gar geborgen zu wissen, ist ein wundervolles Gefühl. In der Seele wird es von Tag zu Tag heller, das göttliche Liebelicht durchdringt und entmachtet den geistigen Tod. In Gottes Gnaden werde ich eingeführt in die Geheimnisse des Lebens – der großen Welt verborgen, dem kleinen Kind geschenkt.
Es besteht kein Zweifel in mir, dass Jesus Christus der für uns schau- und berührbare Schöpfer und Gott ist. Bereits seit Beginn des Erwachens fühle ich mich innig mit ihm verbunden. Immer eindringlicher wird das Gefühl, dass es eine `alte´ Liebe ist, um es irdisch auszudrücken. Stets spüre ich Jesu warmherzige Aufgeschlossenheit, voller Erwartung, dass ich seine Zuneigung erwidere. Dann fühlt es sich an, als ob sich zwei enge Freunde nach langer Zeit wiedersehen. Man ist sofort wieder eins und tiefe Freude schenkt der Begegnung Erfüllung.
Diese himmlische Zweisamkeit verleiht einem ein völlig neues Wertebewusstsein. Erst in der freien Herzensliebe erlebt man Gott als Vater, erst in der bedingungslosen Hingabe an einen fürsorglichen Vater im Himmel, der seine Kinder mehr liebt als sein eigen Leben, erfährt der Mensch, was es bedeutet, Kind Gottes zu sein.
Im irdischen Dasein ist man Schwächen und Unzulänglichkeiten unterworfen, in der gottgeistigen Existenz wirkt man vollkommen. Diese Diskrepanz zu überwinden und die egoistischen Willenskräfte schrittweise in den Willen Gottes eingehen zu lassen, um schließlich darin wiedergeboren zu werden, ist das vordringliche Amt jedes Menschen.
Bei auftragsgebundenen Seelen muss die Tür ins Herz bisweilen mit Gewalt geöffnet werden, um die Ausführung ihrer Berufung zu gewährleisten. Dann ist der Gottesgeist sofort präsent – und verlangt ganzen Einsatz, um rechtzeitig und umfassend durch die ihm anheim gegebene Seele wirken zu können.
So wurde auch ich gewaltsam aus dem weltlichen Dasein gerissen, wobei es großer Anstrengung und Geduld seitens jenseitiger Helfer bedurfte, mich in der göttlichen Bestimmung zu halten. Das wiederkehrende Auf und Ab im seelischen Reifeprozess hielt mich in Verschwiegenheit, um nicht verfrüht mit eigenen Ansichten vermischtes und dadurch verfälschtes Geistesgut zu vermitteln. Doch nun ist es Zeit, die endzeitliche Berufung anzutreten. Auch wenn viele der bereits geöffneten göttlichen Talente erst noch verwirklicht werden müssen, so ist das geistige Schauen und Hören soweit gediehen, um zu offenbaren.
Als Bewohner des göttlichen Herzens bin ich Bote und Überbringer seiner innersten Liebe. Daraus teile ich jedem Menschen mit, dass der himmlische Vater jede noch so tief gefallene Seele erretten will – und kann, gleich in welcher Verfassung sie sich befindet. Ferner besteht meine Aufgabe darin, spirituellen Suchern aller Orientierung sowie Angehörigen verschiedener Religionen Wahrheit aufzuzeigen. Viele Gotteskinder haben sich in falschen und christusfernen Lehren verloren und können ihre wahre Identität nicht finden. Hier wird der Vater Erweckung schlafender und Stärkung kämpfender Geschwister bewirken. Gleich ob berufen oder auserwählt, jeder ernsthaft strebende Gläubige findet in den Mitteilungen die nötigen Informationen, um sein Dasein lebendig in der Liebe zu Gott gestalten zu können und dadurch zur Freiheit des Geistes zu gelangen.
Mein Hauptamt ist es, auf die geistige Verirrung der Menschheit hinzuweisen und die apokalyptischen Konsequenzen aufzuzeigen, die bei Beibehaltung des sündhaften Verhaltens auf uns zukommen. In diesem Sinne diene ich dem prophetischen Geist, der da ist der Geist des Rufers in der Wüste, der da ist der Geist, der dem Herrn allzeit den Weg bereitet.
Klar und deutlich sehe ich Zweck und Ziel meiner irdischen Existenz bis zum Jahr, in dem ich den Körper verlassen werde. Zuvor wird jedoch eine Stunde kommen, in der mich der Tod mit der ganzen Macht seines Schreckens kreuzigen wird, doch die Gegenwart Gottes wird ihn entwaffnen zum Zeugnis der Macht und Herrlichkeit des Lebens in Jesus Christus.